Warum ich plane, wenn ich wirklich kreativ sein will
05.10.2026
Lange Zeit dachte ich, Planen und Kreativität vertragen sich nicht.
Kreativ sein hieß für mich: offen bleiben. Dem folgen, was gerade kommt. Planen klang dagegen nach Excel-Tabelle, nach Pflicht, nach einem Leben im Korsett.
Eigentlich plane ich gerne. Das kommt vielleicht auch aus meinem früheren Leben als Programmiererin. Struktur kann ich. Abstrahieren, ordnen, vereinfachen, das liegt mir. Aber ich konnte lange nicht sehen, was Planen mit Kreativität zu tun haben soll.
Heute weiß ich: Für mich gehört beides zusammen. Wenn ich wirklich kreativ sein will, plane ich. Nicht trotzdem. Sondern deshalb.
Der Mythos vom spontanen Kreieren
Wir haben ziemlich romantische Bilder davon, wie Kreativität funktioniert. Die Malerin, die nachts aufwacht und das Bild in einem Rutsch auf die Leinwand bringt. Der Schriftsteller, dem die Geschichte einfach zufliegt.
Ja, vielleicht gibt es das. Aber ich glaube, es ist eher die Ausnahme als die Regel.
Ich habe lange geglaubt, dass Impulse aus dem Moment kommen. Ich setze mich an den Rechner und folge dem, was mich inspiriert. Oder noch besser: Ich meditiere, dann kommt was, und ich folge dem.
Manchmal ist das so. Meistens aber nicht.
Meistens setze ich mich hin, öffne den Laptop, und statt Inspiration kommen Zweifel. Denken. Ob diese Idee jetzt wirklich dran ist. Ob es nicht anders schneller ginge. Ob ich meine Zeit verschwende. Ob ein anderes Projekt mir nicht mehr Freude oder mehr Erfolg versprechen würde.
Und dahinter immer die hartnäckige Frage, ob das alles überhaupt Sinn ergibt.
Wo meine Impulse wirklich auftauchen
Wenn ich ehrlich hinschaue, kommen meine besten Impulse fast nie am Schreibtisch. Sie kommen, wenn ich nicht nach ihnen suche. Morgens im Bett, bevor der Tag richtig angefangen hat. Nachmittags bei den Pferden. In der Mittagspause im Garten, in der Sonne.
Das sind die Momente, in denen ich gut mit mir verbunden bin. Mein Kopf ist ruhig, nichts will gerade etwas von mir. Und genau dann taucht auf, was wirklich dran ist.
Was durch mich in die Welt will.
Sobald ich dagegen am Rechner sitze, schaltet etwas in mir um - in den Überlebensmodus. Das geht superschnell und vollautomatisch.
Im Überlebensmodus frage ich: Was bringt am meisten Geld? Wie komme ich am schnellsten voran? Was macht am meisten Sinn? Das fühlt sich vernünftig an. Sicher. Logisch.
Im Kreativmodus folge ich dem, was in mir lebendig ist. Meinem Wollen, meinem inneren Wissen. Mit Vertrauen, auch wenn ich den Weg noch nicht sehe.
Das Tückische ist: Der Überlebensmodus kündigt sich nicht an. Er setzt sich einfach mit an den Schreibtisch und redet mit. Er klingt vernünftig, daher höre ich ihm zu. Aber sobald ich das tue, ist die Luft raus. Denn dahinter steckt eigentlich Angst, und die frisst jede Inspiration.
Zurück bleiben nur Vernunft, Logik und kein Hauch von Freude mehr.
Zwei Räume: einer zum Planen, einer zum Machen
Stell dir vor, du hast zwei Räume. Der eine ist ein ruhiges Zimmer mit Blick in den Garten. Hier sitzt du, spürst nach und fühlst, worauf du Lust hast. Welche Projekte willst du nächste Woche, nächsten Monat weiterbringen? Was ist gerade wirklich wichtig? Für dich, nicht für andere oder gar für die Welt.
Der andere Raum ist die Werkstatt. Hier wird gesägt, geklebt, geschrieben, geschnitten. Da geht es ums Tun. In der Werkstatt diskutiert niemand darüber, ob der Tisch nicht doch lieber ein Stuhl werden sollte. Hier wird gebaut.
Genau so trenne ich inzwischen meine Woche. Das Planen ist für mich ein kreativer, intuitiver Akt. Ich mache es in den Momenten, in denen ich gut mit mir verbunden bin. Und weil die Impulse aus dieser Verbindung kommen, kann ich ihnen in der Regel vertrauen.
Und wenn ich dann in der Werkstatt stehe, also am Rechner sitze, habe ich einen Plan, von dem ich weiß, dass er von innen kommt. Ich muss nicht mehr entscheiden. Ich darf einfach machen.
Begeisterung braucht ein Flussbett
Ich habe so viel Begeisterung in mir. So viel Power, so viele Ideen. Und trotzdem hatte ich lange das Gefühl, auf der Stelle zu treten.
Das Bild, das mir dazu einfällt, ist Wasser. Wasser ohne Ufer breitet sich einfach aus. Es verteilt sich in alle Richtungen, versickert und wird irgendwann zum Sumpf. Dieselbe Menge Wasser in einem Flussbett wird zum Strom. Es hat Richtung, es hat Kraft, es fließt irgendwo hin.
Das Flussbett nimmt dem Wasser nichts weg. Es engt es nicht ein, es bündelt es.
So erlebe ich meinen Plan. Er macht meine Begeisterung nicht kleiner. Er gibt ihr eine Richtung, damit sie nicht von Verlockungen im außen abgelenkt wird und am Ende nirgends ankommt.
Ich sage nicht, dass wir irgendwo ankommen müssen. Aber wenn wir es wollen, wenn wir eine Vision oder einen Traum haben, ist ein Flussbett ein Liebesdienst an uns selbst.
Was Jazzmusiker schon lange wissen
Jazz wirkt von außen wie pure Freiheit. Jemand spielt einfach drauflos, und es klingt großartig.
Was man dabei leicht übersieht: Die Band kennt die Akkordfolge. Alle wissen, in welcher Tonart sie spielen und wann das Stück wohin geht. Genau das macht die Improvisation möglich. Wer nicht ständig überlegen muss, wo er gerade ist, hat den Kopf frei für den Moment.
Ohne diesen Rahmen wäre es kein Jazz. Es wäre Lärm.
Mein Wochenplan ist so eine Akkordfolge. Er sagt mir nicht, welche Noten ich spiele. Er sagt mir nur, in welchem Stück ich gerade bin. Den Rest darf ich frei gestalten.
So entsteht Flow
Planen heißt für mich nicht, jede Stunde zu füllen. Und es heißt auch nicht, eine lange To-do-Liste mit mir herumzutragen, die mich ständig daran „erinnert“, was alles noch nicht erledigt ist. Das ist Planen im Überlebensmodus.
Ich lasse mir bewusst Raum. Pro Woche nur die wichtigsten Aufgaben, beruflich und privat. Ein paar Zeilen für das, was meine innere Stimme mir gerade sagt. Mehr nicht.
Das genügt, um ins Tun zu kommen, und so in den Flow, aus dem wiederum neue Impulse entstehen.
Ich denke dabei oft an einen Garten. Als Gärtnerin entscheide ich, was ich in welches Beet säe. Ich gieße, ich jäte, ich sorge für gute Bedingungen. Wann der Samen keimt und wie hoch die Pflanze wächst, entscheide ich nicht. Und ziehen hilft auch nicht.
Aber manchmal entsteht während des Gärtnerns eine gute Idee, die mir beim Denken am Beetrand nicht gekommen wäre.
Genau so verstehe ich Planen. Ich lege fest, wo meine Aufmerksamkeit hingeht. Wie es sich entwickelt, überlasse ich dem Leben.
Jedes Abwägen macht meinen Kopf lauter
Heute Morgen habe ich das wieder beobachtet. Noch im Bett wusste ich genau, was ich machen will, und ich hatte richtig Lust drauf. Kaum saß ich am Rechner, kam es ins Kippen. Weil ich mich erstmal um andere Dinge kümmern musste, und dann alles länger dauerte als gedacht. Schon war sie da, diese Stimme: War das überhaupt der richtige Impuls? Gibt es nicht einen schnelleren Weg? Willst du das überhaupt noch?
Zack. Luft raus. 🙄
Natürlich muss ich ihr nicht zuhören. Mach ich aber trotzdem oft, weil ich sie nicht immer gleich erkenne. Sie klingt wie Vernunft.
Und jedes Mal, wenn ich da reintappe, wenn ich anfange abzuwägen, wird mein Kopf immer lauter. Eine Frage zieht die nächste nach sich. Und damit wird es immer solider, immer schwerer sich zu entziehen. Am Ende sitze ich vor dem Bildschirm und denke und zweifle, statt zu machen.
Ein Plan, der von innen kommt, ist wie ein Auffangnetz. Er bringt mich wieder ins Tun zurück, ohne Diskussion. So nimmt er dieser Stimme den Zunder.
Die Fragen hatte ich ja alle schon für mich geklärt, und zwar in einem Moment, in dem ich klarer war als jetzt am Schreibtisch. Ich muss nicht jeden Morgen neu mit mir verhandeln. Ich darf dem vertrauen, was ich gestern oder letzte Woche schon gespürt habe.
Und wenn alles anders kommt?
Dann kommt es eben anders.
Mein Plan ist eine Momentaufnahme, kein Vertrag. Er nimmt den Tag nicht vorweg, der ja manchmal ganz anders verläuft als gedacht. Wenn mitten in der Woche ein neuer Impuls kommt, der sich lebendiger anfühlt, darf er Platz bekommen.
Ein Plan, der nicht mehr passt, ist kein Scheitern. Er war richtig für den Moment, in dem er entstanden ist. Und jetzt darf er gehen.
Das ist für mich Commitment in Verbundenheit mit uns selbst: Wir verpflichten uns nicht zu etwas, damit wir nützlich oder produktiv sind (oder whatever), sondern wir geben uns eine Richtung, in die wir gehen, bis eine neue Richtung sich eindeutig besser anfühlt.
Wir geben uns einen Rahmen, ein Geländer, das uns hilft, Zweifel und Angst leiser zu stellen und loszugehen.
Planen als Akt des Vertrauens
Wenn ich heute plane, vertraue ich der Version von mir, die gut mit sich verbunden war. Der, die morgens im Bett lag oder in der Sonne saß und einfach wusste, was dran ist. Ich gebe ihr eine Stimme, die auch dann noch hörbar ist, wenn am Schreibtisch der Überlebensmodus anklopft.
Planen und Kreativität sind für mich keine Gegensätze. Sie gehören zusammen. Gutes Planen schafft den Raum, in dem ich frei kreieren kann, ohne dass mir bei jedem Schritt jemand reinquatscht.
Alles Liebe
Bettina
PS: Genau dafür habe ich meinen Slow Planer gemacht. Für mich zuerst, und für alle, die lieber im Kreativmodus leben wollen und sich dafür Struktur wünschen. Struktur, die ihnen Halt gibt, nicht Fesseln anlegt. Als gebundenes Buch oder als PDF.
Kategorien: Ins Tun kommen | Schlagworte: dem Herzen folgen, Entscheidungen treffen, innere Führung, Ins Tun kommen, nicht stressen lassen
Aloha, ich bin Bettina - Unternehmerin, Pferdefrau, Autorin und spirituelle Forscherin. Ich liebe die Natur, das Leben und lazy Erfolg, der sich natürlich und mühelos entfaltet.
Hier im Blog teile ich meine Erkenntnisse und Erfahrungen rund um Marketing und Spiritualität - für ein Leben, das sich so anfühlt, wie es eigentlich für uns gedacht ist: Voller Freude, Neugier, Leichtigkeit und innerem Frieden.
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