Bettina Ramm
Bettina Ramm
Slow Marketing • Thriving Business
 

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Brauchen wir jemanden, der uns Druck macht, damit wir vorankommen?

10.02.2022

In dieser Woche hatte ich ein ganz wunderbares Gespräch mit einer lieben neuen Klientin. Sie erzählte mir, dass sie sich jemanden wünsche, der ihr Druck macht. Sie habe das Gefühl, sie sei unglaublich kreativ, mit dem Kopf in den Wolken, mache hier ein bißchen und da ein bißchen, aber nichts, was sie wirklich ernsthaft voran bringt.

Zuerst wollte ich vehement widersprechen. Ich will mit meiner Arbeit ja den Druck meiner Klienten reduzieren und ich weiß, dass Druck uns nicht hilft. Zumal "Vorankommen" ja auch nur ein Gedanke ist, der uns daran hindert, das Hier und Jetzt zu genießen.

Aber ich hielt inne, weil ich eines inzwischen erkannt habe: Immer wenn ich denke, genau zu wissen, was richtig ist, bin ich sowas von auf dem Holzweg. Dann höre ich nicht mehr richtig zu. Und in mir entstand so etwas wie Neugier: Was versteht mein Gegenüber unter Druck? Was verstehe ich darunter? Warum ist er für mich negativ, und für sie nicht? Warum glauben wir, dass er uns hilft? Und was wünschen wir uns wirklich, wenn wir uns jemanden suchen, der uns zu Höchstleistungen antreiben soll?

Auf den ersten Blick macht ein Druckmacher von außen Sinn

Eigentlich wissen wir selbst am besten, was uns gut tut und was nicht. Das gilt für jeden von uns. Eigentlich.

Allerdings haben die meisten von uns auch einen ganzen Berg an Gewohnheiten und antrainierten Verhaltensweisen und Denkmustern angesammelt, der über diesem natürlichen Gefühl für das eigene Wohlbefinden liegt.

Und so kommt es, dass wir viele Dinge zwar "wissen", sie aber trotzdem nicht umsetzen.

Wir wissen eigentlich, dass Sport uns gut tun würde, aber wir machen ihn trotzdem nicht.

Wir wissen eigentlich, dass wir für mehr Sichtbarkeit was tun müssen. Aber trotzdem räumen wir jeden Tag nur unseren Schreibtisch auf oder schauen uns Videos darüber an, wie man sichtbarer wird, statt wirklich loszugehen.

Wir wissen eigentlich, dass Fleisch zu essen nicht gesund für uns ist, und doch erzählen wir uns jeden Tag wieder, das bißchen macht doch jetzt den Brei nicht fett ...

Und so stellen wir immer wieder fest, dass wir Dinge tun, die wir eigentlich nicht mehr tun wollten, oder Dinge vermeiden, die so wichtig für uns wären. Manchmal verdrängen wir es ganz gut. Das Leben geht ja trotzdem weiter. Aber manchmal kriegen wir dann auch einen Rappel und wollen es jetzt wirklich mal ändern. Weil wir uns nach mehr Fitness, mehr Umsatz oder mehr Gesundheit sehnen. Und dann scheint es total Sinn zu machen, jemanden zu engagieren, der uns "motiviert", am Ball zu bleiben.

Konzept oder innere Weisheit?

Eines der wichtigsten Dinge, die ich gesehen habe, ist, dass nicht alles, was zu unserem Besten zu sein scheint, wirklich aus unserer inneren Weisheit kommt. Ganz vieles von "ich sollte eigentlich" und "ich müsste eigentlich" ist ein als gut gemeint getarntes Konzept darüber, wie wir sein sollten.

So kenne ich einige Menschen, die früher immer viel Sport gemacht haben, weil sie meinten, es täte ihnen gut, die heute - mit tieferer Gelassenheit und einer echten Verbindung zu ihrer inneren Weisheit - kaum noch Sport machen. Sie spüren tief in sich, dass das gut und richtig so ist.

Sport ist gesund, ist ein Konzept.

Ich kenne auch einige Menschen, die heute viel weniger für ihr Marketing machen als früher, und ihr Business läuft besser denn je zuvor.

Ich brauche Sichtbarkeit und muss etwas dafür tun, ist ein Konzept.

Konzepte sind erlernte "Regeln", die augenscheinlich immer und für alle gelten. Sie können für mich wahr sein, oder auch nicht. Mehr noch: Sie können eine Zeit lang wahr sein, und dann wieder nicht mehr.

Immer wenn etwas "immer" zu gelten scheint, ist das ein Konzept und darf ganz genau betrachtet werden. Ist es wirklich innere Weisheit, die mich leitet oder ist es etwas, was ich zu wissen glaube und wie das Leben nunmal ist?

Ein herkömmlicher Kick-Ass-Coach oder Personal Trainer hinterfragt das nicht. Er treibt dich an zu dem, wozu du ihn engagiert hast.

Ich dagegen spüre erstmal genauer hin: Wer spricht da? Innere Weisheit oder der innere Antreiber, der sich als gutmeinend und innere Weisheit tarnt?

Warum willst du vorankommen?

Eine Sache, die ich mir immer wieder mit meinen Klienten anschaue, ist die Frage: Warum willst du eigentlich vorankommen?

Das Bild, das ich gerne teile, ist der Baum. Er wächst. Von dem Tag an, an dem die Eichel oder die Kastanie den Boden erreicht, findet ein Entwicklungs- und Wachstumsprozess statt. Permanent. Im eigenen Tempo.

Wir sind genau wie dieser Baum, denn wir stammen aus derselben Quelle. Wir wachsen und gedeihen, entwickeln uns weiter, ganz natürlich, unser Leben lang. Dass wir etwas dafür tun müssen, ist auch nur ein erlerntes Konzept, das nicht der Wahrheit entspricht.

Ich habe an mir selbst zwei verschiedene "Qualitäten" beobachtet, die sich zeigen, wenn ich vorankommen will: Needy oder kreativ.

Needy heißt, ich glaube, dass ich etwas erreichen muss, damit ich ... (z. B. nicht verhungere, von anderen ernst genommen werde, mir einen schönen Urlaub leisten kann, angesehen bin).

Kreativ heißt, ich habe einfach total Lust drauf, etwas zu erschaffen.

Die zweite Qualität war bei mir lange Zeit tief verschüttet. Ich habe immer alles gemacht, um etwas zu erreichen oder zu vermeiden. Ich habe mit allem Tun bereits das Ergebnis vor Augen gehabt, und gewusst, dass das die richtigen Schritte zu einem "guten" Leben sind.

Heute sehe ich, dass ein gutes Leben vor allem eines ist, in dem ich genießen kann, was ich habe und bin. Alles ist bereits genug. Alles ist gut. Von diesem Standpunkt aus kann ich nicht nur leichter Neues kreieren, ich kreiere es auch wirklich so, dass es mir Freude macht und zum Besten aller ist.

Dennoch habe ich heute auch wieder Spaß daran mich anzustrengen. Etwas zu erreichen, was ich noch nie erreicht habe. Nicht weil ich muss, sondern weil es mir Freude macht.

Auch hier lohnt sich ein genauer Blick. Unser Wegweiser ist unser Gefühl. Wenn wir hier ganz ehrlich zu uns selbst sind, öffnet sich die Tür zu einem wahrhaft erfüllten, liebevollen und kreativen Leben.

Druck vs. Commitment

Das Wort "Druck" hat in mir enorme negative Assoziationen geweckt. Vielleicht ist das bei dir genauso, vielleicht kannst du es aber auch überhaupt nicht nachvollziehen. So ist das mit Worten. Wir verstehen nie das Wort selbst (das ist immer neutral), sondern wir verbinden es mit diversen ganz persönlichen Vorstellungen und Geschichten.

Wenn diese Vorstellungen und Geschichten negativ sind, ist es unsere Beziehung zu dem Wort ebenfalls. Aber das Wort kann gar nichts dafür.

Mir ist das vor Kurzem am Wort Commitment aufgefallen. Für mich war es lange Zeit ein Wort, an dem ganz viel Müssen, innerer Antreiber und selbstgemachtem Stress klebte. Bis mir vor einigen Wochen auffiel, dass Commitment durchaus eine positive Komponente hat.

Sei es im Job, in einer festen Beziehung oder auch, wenn ich mir einen Hund oder ein Pferd anschaffe - überall ist Commitment unglaublich sinnvoll und hilfreich. Mehr noch: Ich bin in vielen Fällen absolut commitet, ohne weiter darüber nachzudenken.

Wenn wir uns zu etwas voll commiten, also voll reingeben, hilft uns das über schwierige Zeiten hinweg. Es hilft uns, unsere zweifelnden Gedanken nicht so ernst zu nehmen und weiterzumachen. Nicht bis zum Umfallen und über alle Hindernisse hinweg, sondern es geht vielmehr darum, eine Durststrecke zu überstehen, weil wir wissen, dass es nur eine Durststrecke ist.

Wir entscheiden, wann wir unser Commitment brechen, wann wir aufgeben oder neue Wege gehen. Aber eben nicht aus einem dunklen Tal des Zweifels oder eines (scheinbaren) Misserfolgs heraus, sondern aus der Ruhe und dem tiefen inneren Wissen, dass es hier für uns nicht weitergeht.

Das kann entscheidend dafür sein, ob eine Entscheidung destruktiv ist oder ob sie unser Leben besser macht.

Wir brauchen manchmal jemanden, der uns erinnert

Wichtig ist mir an dieser Stelle: Wir entscheiden immer selbst, wofür wir uns commiten - und wie lange. Niemand anders kann das für uns tun, und niemand anders sollte uns da reinreden.

Doch wenn wir uns wirklich verpflichtet haben, kann es sehr hilfreich sein, wenn wir uns jemanden an die Seite holen, der uns an unser Commitment erinnert. Ich glaube, das hat die Klientin mit "Druck machen" gemeint.

Ich würde es allerdings in meinem Fall eher als liebevolle Erinnerung oder auch Ermutigung bezeichnen.

Ich hatte selbst mal einen Coach, der mir dermaßen den Kopf gewaschen hat, weil ich nicht umgesetzt hatte, was ich mir vorgenommen hatte, dass ich mich hinterher noch viel kleiner und unzulänglicher fühlte. Dabei spürte ich tief in mir: Das Ziel hatte mein Kopf gesetzt, und in Wahrheit war es noch nicht reif.

Ein Coaching sollte immer ein gutes Gefühl für uns selbst hinterlassen und uns nicht noch kleiner machen als wir uns eh schon fühlen.

Ein guter Coach fühlt nach: Was ist es, was bremst? Sind es Gedanken oder ist es innere Weisheit? Manchmal brauchen Dinge tatsächlich einiges mehr an Zeit als unser Kopf das gerne hätte. Hier gewaltsam vorzugehen führt nicht zu den erhofften Ergebnissen - und richtet im schlimmsten Fall sogar noch Schaden an.

Wir tragen bereits alles in uns, was es braucht, um erfolgreich zu sein: Kreativität, Mut, Vertrauen und auch Disziplin, Fleiß und Durchhaltevermögen. Wir brauchen niemand anderen, um diese Qualitäten zu entwickeln. Wenn wir unsere erlernten Konzepte und Muster fallen lassen, treten sie von selbst zutage.

Und manchmal brauchen wir jemanden, der uns an sie erinnert.

Alles Liebe,

💖 Bettina

PS: Am 14. Februar 2022 startet mein Marketing-Mutmacher, mit dem ich dich an diese und andere Wahrheiten erinnern möchte. Immer montags um 10 Uhr, live auf Facebook und YouTube. Komm doch einfach mal vorbei.

Kategorien: Mindset + Vertrauen | Schlagworte: Entscheidungen treffen, Erfolgsrezepte, Glaubenssätze, innere Weisheit, Ins Tun kommen

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