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Du kannst dir selbst vertrauen. Zu 100%.

08.11.2021

Vor vielen Jahren, als ich das erste Mal schwanger war und später dann als junge Mutter, fühlte ich mich sehr unsicher. Ich hatte Angst, Dinge falsch zu machen. Ich machte ein Riesending daraus, wie wichtig gerade die erste Zeit für mein Baby ist, und hatte tausend Fragen.

Auf der Suche nach Antworten fand ich aber nicht mehr Ruhe, sondern eher immer mehr Verwirrung. Ich abonnierte mir eine Elternzeitschrift und las jede Ausgabe von vorne bis hinten durch. Da ging es um Stillen, Schlafen, Ernährung. Aber eine Sache ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Es war immer wieder die Rede davon, "Grenzen zu setzen". Ich müsse frühzeitig Grenzen setzen, denn in den jungen Jahren lege ich den Grundstein für später, wo es ja (wie wir vermutlich alle "wissen") schwieriger wird.

Ich wusste damit nichts anzufangen.

Wie setzt man denn bei einem Säugling Grenzen, der einfach nur seine Bedürfnisse äußert und das Leben erfahren möchte?

Ich lebte mit meiner Tochter, tat, was ich tat, tat nicht, was ich nicht tat, und gut. Es gab keine Grenzen. Wenn sie im Bettchen nicht schlafen wollte, lag sie zwischen meinem Mann und mir auf dem Sofa, während "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" lief. Wenn sie nicht essen wollte, die Brust aber von der Milch schmerzte, pumpte ich ab. Wenn die Milch nicht reichte, fütterte ich zu. Wenn sie quengelte, spielte ich mit ihr - wenn ich Lust hatte. Hatte ich keine Lust, ließ ich sie quengeln.

Alles lief ganz intuitiv und von innen nach außen. Doch die Erziehungsratgeber sagten alle, das sei so nicht in Ordnung.

Weil mir die Erfahrung fehlte, hatte ich natürlich Angst vor einer Zukunft, für die ich jetzt den Grundstein legte, ohne zu wissen, ob ich es "richtig" mache. Wenn diese Ratgeber alle von Grenzen sprechen und dass diese so wichtig sind, muss ich mir welche überlegen!

Ich führte irgendwelche Grenzen ein, die ich mir vorher gründlich überlegt hatte. Doch irgendwann verwarf ich sie wieder, weil sich das Umsetzen so anstrengend und irgendwie auch super unnütz anfühlte.

Heute kann ich sehen, dass dieser sicherlich gut gemeinte Rat komplett gegen meine innere Weisheit ging. Weil ich den Rat im Außen als wichtiger und richtiger ansah als mein inneres Wissen, machte ich mir und meiner Tochter an so mancher Stelle das Leben unnötig schwer.

Ich vertraute meinem inneren Wissen nicht, weil ich dachte, ich sei schließlich noch nie Mutter gewesen und ich könne gar nicht abschätzen, was meine "Nachlässigkeit" jetzt für uns zwei in späteren Jahren bedeuten würde. Ich hatte Angst, mir einen Tyrannen heranzuziehen, denn so ähnlich klangen die Weissagungen der Ratgeber.

Zum Glück war ich damals viel zu sehr mit mir und meinem Leben beschäftigt, um diesen Ratgebern viel Raum geben zu können. Ich glaube, nach einem Jahr bestellte ich die Elternzeitschrift sogar ab, weil ich irgendwann spürte, Grenzen kommen von ganz alleine. Wenn wir unserem Gefühl folgen, spüren wir mit der Zeit, wo eine Grenze erreicht ist und wir einen neuen Weg brauchen.

Als ich mein Praktikum im Rahmen meines Studiums machte, war meine Tochter 2 1/2 Jahre alt. Ich musste früh aus dem Haus und war erst abends wieder da, und meine Tochter begann, Verlustängste zu entwickeln. Das Bettgeh-Ritual dauerte jeden Abend länger. Irgendwann verbrachte ich die Abende im Bett meiner Tochter statt bei meinem Mann im Wohnzimmer. Das erschöpfte mich zusätzlich neben dem Praktikum.

Ich hatte absolutes Mitgefühl mit meiner Tochter, aber ich spürte auch, dass diese Abende mir nicht gut taten. Und so führte ich eine neue Regel ein. Glasklares Ritual - waschen, Zähne putzen, eine Geschichte, ein Lied, und dann verlässt Mama das Kinderzimmer und Kind bleibt im Bett.

Am ersten Abend war das Geschrei natürlich groß. Aber ich war ganz klar, denn ich wusste, so geht das nicht weiter, und deshalb hielt ich es aus. Am zweiten Abend war das Geschrei schon viel weniger. Am dritten Abend war Ruhe eingekehrt.

Die Entscheidung hat uns beiden gut getan (und meinem Mann natürlich auch).

Und so ist es immer, wenn wir unserer inneren Weisheit folgen. Wir spüren tief in uns, was jetzt gut und richtig für uns ist. Oft kommt dann das Außen und erzählt uns, dass es anders geht, dass wir einen Fehler machen, dass wir das noch bereuen werden. Und weil uns die Erfahrung fehlt, neigen wir dazu, es zu glauben.

Aber das Umfeld kann genauso wenig in die Zukunft schauen wie wir.

Ja, die anderen haben ihre eigenen Erfahrungen gemacht, und sie meinen es nur gut, wenn sie ihre (vermeintlichen) Fehler und Weisheiten mit uns teilen. Und es ist manchmal auch gut, ihnen zuzuhören. Aber meist handelt es sich nur um ihre subjektive eigene Weisheit, die für sie stimmt.

Nur weil es für sie stimmt, muss es für uns nicht auch stimmen.

Und das gilt für alles: Für Elternschaft, für Beziehungen und auch für Marketing und Business. Sogar für Lebenskonzepte und den eigenen Weg.

Du weißt am besten, was gut und richtig für dich ist. Hör dir zu und vertrau dir.

Alles Liebe,

💖 Bettina

PS: Übrigens, meine Tochter ist gerade 18 geworden und wir haben ein super Verhältnis miteinander. Auch mit meinem Sohn (14) habe ich eine tiefe Verbindung. Das Thema Pubertät ist bislang nahezu an uns vorbeigezogen (sagen wir mal, es war weit weniger schlimm als immer alle sagen). Ich weiß nicht, ob das so bleibt, und ich kann auch nicht garantieren, dass das immer so ist, wenn wir auf innere Weisheit hören (dein Weg kann anders sein als meiner). Aber es zeigt mir, dass ich meiner Weisheit absolut vertrauen kann. #egalwasanderesagen

Kategorien: Mindset + Vertrauen | Schlagworte: einen Scheiß muss ich, Gelassenheit, innere Weisheit, nicht stressen lassen, Selbstvertrauen

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