Zurück zur Übersicht

Das Schiff und die Achterbahn - warum du deinen Gedanken nicht glauben brauchst, wenn sie dir sagen wollen, wo du stehst

01.12.2021

Hast du dich schon einmal gefragt, ob das, was du tust - vielleicht im Marketing, vielleicht auch in einem anderen Bereich deines Lebens, der dir wichtig erscheint - das richtige ist und ob du es gut machst?

Ich frage mich das andauernd. Genau genommen frage ich es mich nichtmal, sondern ich bewerte permanent ganz unbewusst alles was ich tue. Ordne es in die Kategorie gut oder schlecht. Und weil mir der objektive Blick auf mich selbst fehlt, nutze ich dazu die "Daten" im Außen. Sie scheinen mir gute, zuverlässige Anhaltspunkte zu liefern.

Ich versuche, anhand von Kennzahlen einzuschätzen, wie gut mein Business läuft. Du weißt schon, Newsletter-Abonnenten inklusive Abmeldungen nach meinem letzten Newsletter und Neuanmeldungen in der letzten Woche, Follower auf Instagram und deren Aktivitäten, wie viele Mails ich erhalten habe, und ... ja, vor allem, wie viel Umsatz ich gemacht habe.

Manchmal sind es auch keine Zahlen, sondern Kommentare und Feedback von anderen, die mir einen Anhaltspunkt geben. Oder ich vergleiche mich. Vergleiche meine Zahlen mit anderen. Vergleiche meine Formulierungen mit denen von anderen. Meine Fortschritte usw.

Immer wenn dieser "Außen-Check" ein positives Ergebnis bringt, fühle ich mich gesehen, gehört und verstanden. Also bin ich auf dem richtigen Weg. Ich hecke neue Ideen aus, bin voller Energie, doch wenn ich nicht achtgebe, lande ich rasch in meinem selbstgebauten Hamsterrad. Ich glaube, mehr machen zu müssen von dem, was funktioniert und treibe mich an, weil es sich in diesem Moment richtig und lohnenswert anfühlt.

Wenn der "Außen-Check" ein negatives Ergebnis bringt, fühle ich mich verloren, nicht auf meinem Weg, und als hätte das Leben andere Pläne mit mir. Dann neige ich dazu, alles über den Haufen zu werfen, neu zu überlegen, was ich wirklich-wirklich will, und mir alles, was nach Anstrengung klingt, auszureden (lohnt sich ja eh nicht). Ich verplempere meine Zeit mit der Suche nach dem, was sich mehr lohnt oder was besser zu mir passt. Oder mit Grübeleien darüber, woran es liegt, dass es so schlecht läuft und was ich besser machen kann.

Egal, wie dieser Außen-Check abläuft und auf welchen Abschätzungen er basiert, fast immer gibt es ein Gefühl, das ich lange Zeit als zuverlässigen Wegweiser verstanden habe. Ich fühle mich gut - also bin ich auf einem guten Weg. Ich fühle mich schlecht - also muss ich etwas verändern, denn so wie ich es mache, scheint es nicht richtig zu sein.

Dabei ist es egal, ob ich tatsächlich die Zahlen geprüft oder nur Kritik von anderen einkassiert habe.

Nichts davon bedeutet wirklich etwas

Was ich immer mehr sehe, ist dass der Außen-Check, egal wie penibel ich ihn durchführe, keine wirklich zuverlässige Aussage darüber gibt, wo ich tatsächlich stehe und wie ich mich mache. Egal, worauf ich mich fokussiere - auf die Zahl der Rückmeldungen, der Abmeldungen, meiner Follower, der Antworten auf meinen Blogbeitrag etc. - es ist immer nur ein winziger Ausschnitt aus der wahren Realität. Ein kurzer, sehr unvollständiger Abgleich eines Ist-Zustands mit dem, was ich als Soll ansehe.

Nie im Leben kann ich wirklich alle Daten einbeziehen, die es gibt. Ich sehe zwar, wie viele Newsletter-Abonnenten sich nach dem letzten Newsletter abgemeldet haben, aber ich sehe nicht, wie viele der Empfänger, die sich nicht abgemeldet haben, beim Lesen des Newsletters Tränen in den Augen hatten. Ich sehe nicht, wie viele ich tief berührt habe. Ich sehe nicht, wo der Newsletter wirklich eine tiefgreifende Veränderung beim Leser bewirkt oder initiiert hat.

Ich sehe zwar, wie viele (oder wenig) Leute sich auf meinen Post hin bei mir für ein Kennenlerngespräch melden. Was ich aber nicht sehe, sind die vielen Menschen, die vielleicht noch ein, zwei Monate (oder länger) brauchen, die sich noch nicht trauen oder bei denen es noch nicht dran ist, mit mir zu sprechen.

Wenn wir der negativen Check-Stimme glauben, geben wir meist zu früh auf. Wir reden uns ein, der Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen und suchen dann nach einem lohnenswerteren Ziel. Im schlimmsten Fall bleiben wir nirgends lange genug dran, um einen Durchbruch zu erleben (falls es sowas wie einen Durchbruch überhaupt gibt).

Wenn wir der positiven Check-Stimme glauben, geraten wir schnell ins Rennen, beweihräuchern uns selbst oder legen die Latte der Erwartungen an uns immer höher, so dass wir uns selbst verausgaben.

In jedem Fall nehmen wir das, was wir tun, viel zu ernst, was häufig dazu führt, dass wir anderen Bereichen unseres Lebens (unseren Kindern, unserer Freizeit etc.) weniger Raum einräumen.

Das Leben ist eine Achterbahn, und wir sind immer am richtigen Ort

Unsere Bewertung davon, wo wir stehen, muss überhaupt keine Aussagekraft haben. Es ist noch nichtmal ein Wegweiser, sondern einfach nur eine Meinung. Die sich jederzeit ändern kann, ohne dass sich im Außen etwas verändern muss.

Mir kam dazu vorhin das Bild der Achterbahn auf dem Schiff. Ich habe es schon oft geteilt, es stammt von Michael Neill. Das Leben ist wie eine Achterbahn. Wenn wir oben sind, haben wir einen wunderbaren Blick auf die Welt und wir fühlen uns leicht und frei. Wir wollen am liebsten da oben bleiben, aber kaum sind wir oben angekommen, geht es wieder hinunter. Da unten ist alles dunkel und beängstigend und wir wollen schnellstmöglich wieder rauf. Aber wann es wieder nach oben geht, bestimmen nicht wir, sondern die Achterbahn.

Aber diese Achterbahn steht auf einem Schiff, das ganz gemächlich den Fluss des Lebens hinuntertuckert. Das Schiff ist das wahre Leben, und mit dem Schiff sind wir immer genau an der Stelle auf dem Fluss, an der wir sein "sollten". Und wenn wir unsere Aufmerksamkeit von der Achterbahn abziehen und stattdessen auf das Schiff lenken, entsteht ein Gefühl der Sicherheit und des tiefen Friedens in uns.

Wenn wir von der Achterbahn aus unseren Erfolg bewerten, dann sieht es für uns ganz wunderbar aus, wenn wir oben sind. Wir haben einen guten Blick auf den Fluss - unseren Weg - und wir sehen, dass wir ihm folgen. Doch kaum geht es tiefer runter, sehen wir nur noch die Schiffsplanken. Da ist nichts mehr von unserem Weg zu sehen, und wir fühlen uns absolut lost. Bis es wieder nach oben geht ...

Wenn du wissen willst, wo du stehst, geh nach innen

Ein Außen-Check ist nicht nur unzuverlässig, sondern auch total unnötig. Wir brauchen diese Bewertung nicht, um voran zu kommen. Wachstum ist unsere wahre Natur. Wir bewegen uns im Leben immer ganz automatisch vorwärts, auch wenn es sich manchmal wie ein Zurück anfühlt.

Wie es sich anfühlt, ist kein Indiz dafür, wie es wirklich ist.

Doch es gibt eine Instanz in uns, die sehr genau weiß, wo wir stehen und welcher Schritt für uns jetzt in diesem Moment der ist, der uns am schnellsten in Richtung liebevolles, glückliches Leben bringt. Unsere innere Weisheit.

Solange wir dem bewertenden Außen-Check zuhören, ist die Stimme unserer inneren Führung oft zu leise und wirkt zu unwichtig, um ihr zuzuhören. Aber wenn wir unsere Aufmerksamkeit von außen abziehen und nach innen lenken, können wir sie laut und deutlich mit uns reden hören.

Je mehr wir sehen, wirklich sehen (nicht nur intellektuell verstehen), dass der Außen-Check wirklich keinerlei wertvolle Informationen für uns enthält, desto natürlicher geschieht dieser Bewusstseins-Shift. Versuche ihn nicht zu erzwingen, sondern schau immer wieder ganz liebevoll in Richtung Wahrheit.

Denn wenn du wirklich erkennst, dass der Check im Außen überhaupt keine Anhaltspunkte liefert, hörst du von ganz allein damit auf. Dann entsteht ein Freiraum in dir. Raum, dich zu fragen, was du wirklich willst (und was du nur tust, weil du glaubst, dass du es musst). Raum, in dem du erkennst, dass es tatsächlich ganz oft nur darum geht, Freude zu haben und zu teilen. Raum, in dem du sehen kannst, dass alles immer noch viel einfacher ist als du immer dachtest.

Bist du bereit, dich zu entspannen und aufzuhören, die scheinbaren Zeichen im Außen zu deuten? Bist du bereit, nach innen zu lauschen und deiner ureigenen inneren Führung zu vertrauen?

Zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit

Während des Schreibens dieses Beitrags ist mir noch eine andere Geschichte eingefallen, die ich vor Kurzem bei Michael Neill gehört habe (meine kurze Recherche ergab, sie stammt aus einem Buch, wenn du mehr darüber weißt, schreib es gerne in die Kommentare 👇).

Der Weg in die Rocky Mountains war sehr mühsam und beschwerlich, als es noch keine Autos, sondern nur Pferde-Fuhrwerke gab. Es gab einen kleinen Pfad, der sich durch die Gegend wand und direkt auf die Berge zuführte.

Dieser Pfad führte auch durch zwei Orte - Hope und Despair. Zunächst landete man in Hope (Hoffnung) und von dort aus konnte man sehen, dass es gar nicht mehr weit ist bis zum Ziel. Es erschien wie ein Katzensprung. Große Hoffnung keimte in den Reisenden. Nur noch eine Stunde, dann sind wir da.

Doch kurze Zeit später passierte man Despair (Verzweiflung). Von dort aus sah es aus, als seien die Berge ganz plötzlich gewandert, und zwar in die falsche Richtung. Mindestens noch einen weiteren Monat Marsch.

Aber beide Annahmen waren falsch. Die wahre Entfernung zu den Rocky Mountains lag irgendwo zwischen denen, die in den beiden Orten wahrgenommen wurden.

Die Geschichte deutet nicht nur auf die tiefe Wahrheit, dass egal wie etwas steht, es von verschiedenen Gesichtspunkten aus hoffnungsvoll oder hoffnungslos erscheinen kann. Was wir wahrnehmen, ist nicht die Wahrheit. Es ist fast immer eine Illusion.

Die Geschichte zeigt auch, dass es ok ist, sowohl Hoffnung als auch Hoffnungslosigkeit zu empfinden. Es ist nicht falsch. Es hat nur absolut keine Aussagekraft darüber, wie es wirklich steht.

Was wir aber tun können, ist dem Pfad immer weiter folgen. In eine Unterkunft einkehren, wenn es dunkel wird. Am nächsten Morgen wieder aufbrechen. Denn wenn wir dem Pfad folgen, werden wir unweigerlich früher oder später ankommen.

Folge deinem Pfad, egal was das Außen dir zu sagen scheint.

Alles Liebe,

💖 Bettina

Kategorien: BewusstSEIN | Schlagworte: Erkenntnisse, Flow, innere Weisheit, nicht stressen lassen

Sharing is caring - teile den Beitrag

Beitrag kommentieren

Diese Webseite verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Bitte wähle, welche Cookies du erlaubst.

Folgende Cookies zulassen:

Alle akzeptieren

Mehr Informationen


Welche Cookies werden gesetzt?

Marketing
_fbp Dieses Cookie verwendet Facebook, um Werbeprodukte anzuzeigen.
Notwendig
PHPSESSID Behält die Einstellungen der Seite des Benutzers bei allen Seitenanfragen bei.
robin_marketing_popup Sorgt dafür, dass das Marketing-Popup nicht bei jedem Seitenwechsel erneut aufpoppt.
dwa_cookie_noticed Speichert die Einwilligungen zu den Cookies für ein Jahr. Dieser Cookie kann zurückgesetzt werden, wenn die Einwilligung entzogen werden soll.
Statistik
_pk_id Matomo - Cookie zum Speichern einiger Details über den Benutzer, z. B. der eindeutigen Besucher-ID (anonymisiert), notwendig zum Zählen wiederkehrender Besucher. - Speicherdauer 13 Monate
_pk_ses Matomo-Cookie zur Speicherung Sessionabhängiger Nutzerdaten - Speicherdauer 30 Minuten