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Erlaubst du dir selbst Glück und Freude? (No matter what ...)

06.12.2021

Letztes Wochenende hatte ich ein seltsames Erlebnis. Seltsam war nicht die Situation an sich, sondern meine Erfahrung. Meine Gefühle, die waren neu. Anders als sonst.

Ich war den ganzen Samstag in einem Zoom-Call. Weil ich keine Zeit hatte, hat sich meine Tochter am Nachmittag um mein Pferd Charismo gekümmert. Also nach ihm schauen und ein bißchen mit ihm arbeiten.

Zum Ende des Calls hatte ich den Impuls, meine WhatsApp Nachrichten zu sichten. Im Nachhinein weiß ich nicht, warum ich das tat. Eigentlich ist das für mich eher untypisch, zumal es eine aktive Session war (ich hab es also auch nicht aus Langeweile getan). So ist das oft, wenn wir einer inneren Stimme folgen - hinterher wissen wir nicht mehr, warum wir etwas getan haben ... Aber ich schweife ab.

Ich hatte eine Nachricht von meiner Tochter. Mein Pferd habe Ausschlag. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Ob ich kommen kann.

Es wurde bereits dunkel, und vor mir lag noch eine gute halbe Stunde meiner Ausbildungssession, die ich auf keinen Fall verpassen wollte.

Nun muss ich dazu sagen: Mit meinen Tieren, ihren Krankheiten und meinen damit verbundenen Schuldgefühlen habe ich bereits eine lange Reise hinter mir. Immer wieder werden Tiere krank und sterben, obwohl sie noch jung sind. Immer wieder gebe ich mir die Schuld, versuche die Ursache dahinter zu ergründen, und empfinde tiefen Schmerz dabei. Tropfen für Tropfen reift in mir die Erkenntnis, dass ich auch hier (wie überall im Leben) keine Kontrolle habe, und mehr noch: keine haben muss. Dass Schmerz auch hier nicht zwingend nötig ist und niemandem hilft. Schritt für Schritt wird der Schmerz kleiner.

Meine "normale" Reaktion wäre dennoch eine mittlere Panik gewesen. Ich hätte mich sofort schuldig gefühlt, weil ich den ganzen Tag nicht bei ihm war und jetzt - wo er mich braucht - auch keine Zeit für ihn habe. Ich wäre zerrissen gewesen zwischen dem Wunsch, die Session in Ruhe zu beenden und meiner "Pflicht", nach meinem Pferd zu sehen. Unterbrochen von dem Gedanken, warum denn jetzt schon wieder irgendwas ist und was ich falsch mache.

Alles ist gut. Es gibt nichts zu tun.

Diesmal war es anders. Ich war total ruhig. Und aus dieser Ruhe hörte ich die leise Stimme: Das ist jetzt nicht so wichtig. Dein Pferd wird es überleben. Du kannst jetzt eh nicht helfen. Alles ist gut.

Alles ist gut.

Wir können uns das nicht einreden. Es ist keine Frage der Willenskraft. Aber wenn wir es sehen, dann liegt tiefer Frieden darin.

Ich habe es gefühlt und die Session wie geplant bis zum Ende mitgemacht.

Als sie beendet war, war meine Tochter bereits wieder zu Hause, und ich bin direkt zu ihr hin. So ganz hat es mich nicht in Ruhe gelassen ...

Dennoch war da dieser Frieden in mir, und aus dem Frieden heraus stellte ich - wie automatisch - ein paar Fragen: Wo ist der Ausschlag? Wie groß? Blutet es? Eitert es? Juckt es?

Wie sich herausstellte, handelte es sich um einige Quaddeln an der Schulter, die aber offensichtlich weder schmerzten noch bluteten, noch juckten. Also mehr oder weniger eine eher optische Angelegenheit.

Da es bereits dunkel war, beschloss ich, am nächsten Tag danach zu schauen.

Und dann geschah das Unfassbare: Ich habe einen ganz normalen Abend verbracht. Ich habe mit meinem Mann ferngesehen, habe ein Glas Rotwein getrunken, und mein Pferd war kein Thema für mich! Ab und zu poppte der Gedanke an ihn auf, ich erkannte aber sofort, dass ich nichts tun kann, und er verschwand wieder.

Das war so unfassbar, weil es absolut meinem bisherigen Muster widersprach.

Mein normales Muster bis dato war, mir Sorgen zu machen, Gedankenspiralen nachzuhängen, Lösungen auszudenken und zu analysieren usw. Ich hätte vermutlich bei Google recherchiert, was so ein Ausschlag bedeutet, woher er kommt, was man da tun kann ... Ich hätte keinen einzigen Schluck Rotwein genießen können!

Aber irgendwie war da diesmal diese tiefe Gewissheit. Ich schaue morgen nach ihm, und dann sehen wir weiter. Irgendetwas wird mir schon einfallen.

Irgendwas fällt mir immer ein.

Wir leiden, weil andere leiden - und wir es gern ändern würden

Bis dahin war mir nie so bewusst gewesen, wie sehr wir manchmal leiden, ohne dass es jemand anderem nützt. Jetzt wurde mir klar, wie viel Leid ich mir bisher immer selbst erzeugt hatte - obwohl mein Pferd absolut nichts davon hat! Es geht ihm dadurch nicht besser, ich komme auf keine bessere Lösung, und neben ihm geht es dann auch noch mir selbst schlecht.

Und vielleicht glaubst du jetzt - wie ich früher - dass es eben doch wichtig ist, sich zu informieren, nachzudenken und verschiedene Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen, wenn man eine Lösung für ein Problem sucht. Aber eine wirklich gute Lösung finden wir eher in uns selbst als im Außen, und je ruhiger unser Geist ist, desto besser ist er dafür empfänglich. Die Lösung kommt nicht von unserem Verstand, wie wir oft denken, sondern von woanders. Zumindest in Situationen, die neu für uns sind.

Das lässt sich auch ohne Weiteres auf andere Lebensbereiche übertragen, z. B. auf Business.

Alle meine KlientInnen wollen mit ihrem Business der Welt etwas Gutes tun. Sie wollen Freude in die Welt bringen, Glück verbreiten, Frieden und Freiheit schenken. Sie sind alle mit den allerbesten Absichten für andere unterwegs.

Und dieser Wunsch, die Welt zu verbessern, führt oft dazu, dass sie sich selbst antreiben bis zum Letzten. Dass sie sich Druck machen, sich zu Dingen zwingen, von denen sie glauben, sie seien nötig, das seien eben die Opfer die zu erbringen sind. Mit den allerbesten Absichten.

Das ist es doch, was wir unter Selbstlosigkeit verstehen. Oder unter Hingabe. Dass wir selbst alles tun, was uns möglich ist. Oder nicht?

Ich hab das selbst sehr oft erlebt. Zum Beispiel damals: Es gab da diesen jungen Mann, bei dem ich spürte, dass er total unglücklich ist, den ich aber mit meinen Worten nicht erreichte. Und das machte mich total unglücklich. Ich versuchte immer verzweifelter, die richtigen Worte zu finden. Ich trieb mich an, kritisierte mich, zweifelte an mir und meiner Arbeit. Ließ mich wieder und wieder neue Dinge versuchen - aus meiner Verzweiflung heraus. Und erreichte ihn doch nicht.

Schau genauer hin: Es ist ein konditioniertes Muster.

Dein Glück ist nicht davon abhängig, dass es anderen gut geht

Ist diesem jungen Mann geholfen, wenn ich darüber unglücklich bin, dass er unglücklich ist (und ich ihm nicht helfen kann)? Ist irgendwem damit geholfen? Ist mir damit geholfen, hilft es mir, beim nächsten Mal "bessere" Worte zu finden, die ihn erreichen?

Nein.

Das Gegenteil ist der Fall.

Es ist doch so: Glück vermehrt sich, wenn man es teilt. Wenn ich mein Glück in mir selbst entdecke, und damit auf den unglücklichen Mann zugehe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich die Worte finde, die ihn erreichen, um ein Vielfaches höher! Glück wirkt ansteckend, zumal er vielleicht aus denselben Gründen leidet, aus denen ich gelitten habe: Weil er unbewusst glaubt, so sei es richtig. Wenn ich mein Glück in mir finde, animiere ich ihn dazu, es mir gleich zu tun.

Und wenn ich ihn nicht erreiche, hat es vermutlich gar nicht so viel mit mir zu tun, sondern mehr mit ihm. Vielleicht ist er einfach noch nicht "so weit", mich zu hören.

Mein Glück ist nicht vom Außen abhängig. Inside-Out. Ich denke glückliche Gedanken = ich bin glücklich. Ich kann in jeder Situation (!) glückliche Gedanken denken. Es liegt in meiner Macht (ich lass das jetzt mal so stehen, auch wenn es nicht immer ganz so einfach zu sein scheint).

Wenn ich das erkenne, kann ich mein Glück von dem des jungen Mannes abkoppeln. Ich kann glücklich sein, obwohl er unglücklich ist - und ich es nicht ändern kann. Das ändert zwar erstmal nichts für ihn, aber für mich.

Und Hingabe heißt heute für mich, die Situation zu akzeptieren, wie sie ist. Dem Leben zu vertrauen. Und dass ich mein Glück nicht darin suche, dass die Situation sich verändert, sondern in mir selbst. Denn wenn ich es dort gefunden habe, wo es in Wahrheit ist, kann die Situation sich von allein verändern.

Wie viel Leid können wir uns durch diese Erkenntnis ersparen?

Wo erlaubst du dir kein Glück, weil es anderen nicht gut geht? Kannst du erkennen, dass es da in Wahrheit keinen Zusammenhang gibt? Dass du ihnen nicht nützt, indem du dir schadest? Suche dein Glück da wo es ist: In dir.

Alles Liebe,

💖 Bettina

Kategorien: BewusstSEIN | Schlagworte: Erkenntnisse, glücklich sein, Kommunikation, Konditionierungen durchschauen, Zufriedenheit

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